Nachdem man sich mit der Idee Van Life auseinandergesetzt hat und endlich starten möchte, steht man vor der ersten großen Hürde: Den perfekten Van finden. Diese Entscheidung beeinflusst einfach alles: Wie groß wird das Bett, wie groß die Küche, kann eine Toilette und Dusche verbaut werden, kann man auf den meisten Parkplätze stehen und kann man unauffällig am Straßenrand campen? Bei der Auswahl des perfekten Vans geht es nicht nur um den Hersteller und das Modell, sondern auch um die Höhe und Länge sowie meistens auch den Preis und damit das Alter des Vans. Seit dem Diesel Skandal und den Diskussionen um Fahrverbote sollte auch der Kraftstoff eine Rolle spielen.

Wir haben uns zunächst unzählige Vans angeschaut, bevor wir auf den für uns richtigen gestoßen sind. Darunter waren auch viele überteuerte Fahrzeuge, mit denen wir vermutlich nicht einmal bis zur nächsten Grenze gekommen wären.

Stilecht oder unauffällig?

Zunächst einmal muss man sich entscheiden, ob man lieber stilecht in einem VW Camper oder unauffällig in einem Transporter leben möchte. Dabei muss man auch in Betracht ziehen, ob man nachher vorwiegend auf einem Campingplatz oder lieber am Straßenrand bzw. wild in der Natur stehen möchte.

Während wir bislang immer eine helle Wohnung mit vielen Fenstern bevorzugt haben, wollten wir bei unserem zukünftigen Zuhause vor allem auch unauffällig am Straßenrand stehen können, ohne Nachts Angst zu haben, dass jemand an unserer Fensterscheibe klopft und uns verscheuchen möchte. Deshalb war für uns schnell klar, dass eher ein Transporter das richtige Fahrzeug für uns ist. Nichts desto trotz haben wir natürlich zunächst mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen geliebäugelt.

Ganz stilecht hätten auch wir am liebsten einen VW Camper gehabt. Sieht man sich den Klassiker T1 jedoch auf dem Gebrauchtwagenmarkt an, verabschiedet man sich recht schnell wieder von der Idee. Außer natürlich Geld spielt keine Rolle. Selbst für nicht fahrbereite Exemplare muss man nämlich häufig einige Tausend Euro auf den Tisch legen. Für die Instandsetzung benötigt man dann entweder viel Geld oder das nötige Fachwissen. Darüber hinaus frisst die Restauration viel Zeit. Neuere Modelle sind zwar etwas günstiger, im Vergleich zur Konkurrenz jedoch immer noch teuer. Durch die häufig vielen Fenster kann man zudem nirgends unauffällig stehen. Jeder erkennt auf den ersten Blick, dass darin jemand wohnt.

Ein unauffälligeres Modell von VW wäre der Crafter. Davon haben uns allerdings unabhängig mehrere Personen abgeraten. Der Crafter soll einfach zu viele Krankheiten haben. Häufige Reparaturen lassen einen schnell den Spaß am Van Life vergehen und schmälern unnötig die Reisekasse.

In der höheren Preisklasse kommt schon eher ein Mercedes Sprinter in Betracht. Die Fahrzeuge sind zuverlässig und es gibt sie in den verschiedensten Höhen und Längen. Wer kein zu knappes Budget hat, sollte mit einem Mercedes Sprinter nichts verkehrt machen. Unser Budget reichte leider nicht.

Professionelle Wohnmobil Hersteller setzen häufig auf einen Fiat Ducato. Der Transporter ist von der Form her auch hervorragend geeignet: Die Ladefläche ist fast ein perfekter Raum mit nahezu rechten Winkeln. Zumindest in unserer Region war es jedoch unmöglich, einen leeren Transporter zu finden. Fast alle waren bereits ausgebaut und sahen uns zu sehr nach Wohnmobil aus.

Auch der Ford Transit ist ein beliebtes Modell. Zumindest die älteren Modelle sind zwar nicht ganz so rechtwinklig, wie ein Fiat Ducato, dafür findet man jedoch einige Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Genau wie den Mercedes Sprinter gibt es auch den Ford Transit in allen erdenklichen Variationen. Egal ob hoch und lang oder niedrig und kurz: Es ist für jeden etwas dabei.

Mit unserem Ford Transit standen wir schon mitten in der Natur im Schwarzwald, in kleinen Ortschaften in Frankreich und im Zentrum von Rotterdam in Holland. Nirgends musste wir unseren Platz wieder verlassen. Das wäre mit einem rundum verglasten Van wohl nicht so einfach möglich gewesen. Behalte das bei der Auswahl im Hinterkopf.

Die richtige Länge und Höhe

Hat man sich für den richtigen Hersteller entschieden, geht es nun um die richtige Länge und Höhe. Die Fragen, die man sich dabei stellen sollte:

  • Möchte ich im Van stehen können?
  • Welche Länge benötige ich, damit ich alles unter bekomme?

Bei der ersten Frage muss man nicht nur die eigene Körpergröße beachten, sondern zusätzliche Zentimeter für Dämmung und Verkleidung des Bodens und der Decke beachten. In unserem Ford Transit konnte ich im unausgebauten Zustand soeben stehen. Nach dem Ausbau allerdings nicht mehr. Dessen waren wir uns aber vorher schon bewusst.

Damit man die zweite Frage beantworten kann, muss man sich zumindest schon grob Gedanken zum Ausbau gemacht haben. Soll das Bett längs oder quer rein? Möchte man ein kleines Badezimmer verbauen? Wie viel Platz benötigt die Küche und der Stauraum? Während wir am Anfang nach einem möglichst langen Van gesucht haben, sind wir inzwischen froh, dass daraus nichts geworden ist. Ein paar Zentimeter mehr wären zwar gut, aber sobald der Van zu lang ist, lässt er sich nicht nur schwieriger fahren, sondern auch die Parkplatzsuche gestaltet sich schwieriger. Auf einen Standardparkplatz passt man nämlich schnell nicht mehr drauf. Man sollte die richtige Balance zwischen Platzangebot und Alltagstauglichkeit finden.

Der Preis

Wie hoch dein Budget ist, weißt du mit Sicherheit am besten und demnach musst du auch entscheiden, wie neu dein Traum-Van sein kann. Bei der Preisfrage möchten wir dir nur eins mit auf den Weg geben: Nehme kein zu günstiges Auto. Da der Ausbau nochmal einiges an Geld kostet, wäre nichts schlimmer als ein kaputter Van, nachdem du ihn gerade liebevoll ausgebaut hast. Verzichte lieber zunächst auf ein bisschen Inventar, wenn du dir dafür einen besseren Van leisten kannst. Denn du kannst vieles noch im Nachhinein verändern, nur das Fahrzeug an sich leider nicht mehr.